Erlebnisse

Gemeinschaft spielt eine zentrale Rolle

Wo Hilfe gebraucht wird, da ist er da. Das war schon immer so. Bruder Michael, heute 76 Jahre alt, blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Ein Leben, das er mit aller Hingabe Menschen widmet, die Unterstützung brauchen.

"Allerdings war die Bruderschaft nicht von Anfang an meine Bestimmung", sagt er. "Im Jahr 1953 begann ich zunächst", sagt er. "Im Jahr 1953 begann ich zunächst eine Ausbildung zum Weber. Die Arbeit war zwar sehr interessant, aber ich sehnte mich nach etwas, das noch näher am Menschen dran ist." Er war schon immer sozial tätig, erklärt er. Die Kommunikation mit Menschen sei ihm immer wichtig gewesen. Dabei spielte es für Bruder Michael nie eine Rolle, ob seine Gesprächspartner gläubig seien oder nicht.

Der erste Kontakt zu den Ordensbrüdern entstand sehr zufällig: "Eines Tages war ich im Urlaub in München und Umgebung wandern. Dort besuchte ich auch den Christlichen Weltkongress. Während ich dort im Zeltlager mit lebte, lernte ich den Alexianer Orden kennen. Ende August 1961 fuhr ich dann nach Aachen, um in deren Ordensgemeinschaft einzutreten." Sein Vater war damals nicht überzeugt, dass sein Sohn Michael es ernst meinte und wettete, dass sein Sohn bereits vier Wochen später wieder da sei. Doch weit gefehlt. Bruder Michael startete sogar 1964 eine weitere Ausbildung - diesmal im Rahmen der Bruderschaft - als Krankenpfleger in Münster. "Sieben Jahre habe ich dort verbracht und vorwiegend in geschlossenen Stationen gearbeitet."

1972 wurde er dann nach Köln versetzt, wo auf ihn als neuen Vizerektor der Ordens-gemeinschaft der Alexianer andere Aufgaben warteten. "In Köln habe ich hauptsächlich mit Jugendlichen zu tun gehabt, die sich selbst ehrenamtlich für behinderte Menschen engagierten, das war eine tolle Zeit."  

"1990 kam ich zurück nach Aachen und wurde Konventoberer der Ordensgemeinschaft." Am Standort Aachen arbeitete Bruder Michael auch erstmalig mit abhängigkeitskranken Menschen zusammen. "Ich wurde sogar ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Justizvollzugsanstalt. Hier habe ich diejenigen besucht, die ganz allein waren und keinen Besuch bekamen." Seit 1992 betreut Bruder Michael regelmäßig die Häftlinge der Justizvollzugsanstalten in Münster, Dortmund, Werl und Hagen. Dabei ging es gar nicht immer um das religiöse Gespräch. Den Insassen sind viel mehr das Zuhören und der Austausch wichtig. Außerdem kam ich "von Außen" und brachte ich ihnen immer etwas mit."  

 

Seit 2008 ist Bruder Michael als Konventoberer in Münster tätig. Sein Tagesablauf ist hauptsächlich von Menschen geprägt, aber auch von Tieren. "Wir haben Tauben, Hängebauch-schweine, Ziegen, Hühner und Esel auf unserem Gelände - ein richtiger Streichelzoo. Die Esel sind mir jedoch die liebsten", freut er sich. "Die Arbeit mit den Tieren macht mir einfach Spaß! Und da ich auch ein wenig Egoist bin, nehme ich die Freude, die mir die Arbeit bereitet, gern an." Morgens und abends kümmert er sich um die Tiere, samstags ist großer Putztag im Tiergehege. "Dabei bekommen wir auch Unterstützung von jungen Patienten aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie." Ein bis zweimal im Monat besucht Bruder Michael Patienten in der Justiz-Forensik auf dem Alexianer-Gelände.

Bruder Michael ist ein unkomplizierter und hilfsbereiter Mensch. "Wo Hilfe gebraucht wird, da helfe ich gerne." Dabei ist es egal, wer zu ihm kommt und mit welchem Anliegen. Das kann die Frage nach einem Fahrrad für den Weg in die Stadt sein oder eine zeitweise Unterkunft in der Not. "Wo Menschen Unterstützung brauchen, bin ich im Rahmen meiner Möglichkeiten für sie da - das ist mein Leben."

Das Interview führte Barbara Krause, Alexianer Krefeld GmbH