Erlebnisse

Über den Weg zu Gott und das „Rausgehen“

Münster, Juni 2015. Bruder Bernhard-Maria Flägel erzählt seine Berufungsgeschichte – und das sind immer gleich zwei Geschichten. Denn der Alexianerbruder gehörte früher der Ordensgemeinschaft der Arnsteiner Patres an, aus der er wieder austrat. „Doch die Berufung ist immer wach geblieben“, sagt er und schildert einen nicht immer geraden, aber klaren Weg.

Interview mit Bruder Bernhard-Maria Flägel

In Kindheit und Jugend zeichneten sich dessen Wegmarken noch nicht ab. „Ich bin erst mit 21 Jahren katholisch geworden“, sagt Bruder Bernhard-Maria. Vorher hatte er Ausbildungen als Bäcker sowie als Gesundheits- und Krankenpfleger absolviert. Parallel machte sich der damalige Dattelner Gedanken über Gott, die er im Kontakt zur Pfarrei St. Amandus vertiefte.

In einem Kloster fand er schließlich einen Zettel: „Ordensleben – ein Weg für dich?“ Das war der Anstoß zum ersten Schritt auf dem Glaubensweg. Er konvertierte, bevor er 1987 bei den Arnsteiner Patres eintrat, die er bei Exerzitien kennengelernt hatte. Doch kurz vor Ablegung der Ewigen Gelübde trat er 1993 wieder aus. „Es war nicht die Gemeinschaft, die ich mir fürs ganze Leben vorstellen konnte“, erklärt er.

Die fand er, als er sich nach einigen Jahren als Krankenpfleger in Münster zum beruflichen Wechsel entschied. „Als ich die Bewerbungen in den Briefkasten warf, habe ich zum Heiligen Geist gebetet, dass er mich führt“, schildert der 51-Jährige. Geführt wurde er in das St. Josef-Hospital Bonn. Von dort aus lernte er über die Alexianer in Aachen deren Gemeinschaft kennen: „Der Kontakt prägte mich so, dass ich mir die Frage nach einem Wiedereintritt stellte.“

1999 trat er bei den Alexianern ein und wurde Bruder Bernhard-Maria. 2004 legte er die Ewigen Gelübde ab. „Berufen fühlen sich Menschen heute später als früher, oft erst im Alter zwischen 40 und 50“, hat er dabei beobachtet. Berufung sei der Wunsch, mit anderen „den Weg der Nachfolge Christi zu gehen.“ Gehen tut Bruder Bernhard-Maria übrigens auch mit der Zeit, betet etwa Psalmen aus dem Smartphone. „Das ist meine Kraftquelle zwischendurch“, schildert er, „Ordensleute brauchen diese Bindung an das Gebet.“ Trotzdem hängt an seiner Ordenstracht nicht etwa ein Rosenkranz, sondern ein Schlüsselbund. „Den brauche ich im Alltag öfter“, erzählt er schmunzelnd. Manchmal verzichtet er auch auf die Ordenstracht, etwa bei Treffen mit Freunden oder beim Nordic Walking.

Apropos Walking. Das „Rausgehen“ hält Bruder Bernhard-Maria für wichtig, für einen zentralen Teil seiner Berufung – ob auf der Arbeit oder in seiner Freizeit. „Ich möchte auf Menschen zugehen, mich auch zu denen bücken, die auf dem Boden liegen, um meine Hoffnung weiterzugeben.“ Ordensgemeinschaften müssten die Balance schaffen: „Es ist gut, dass wir in Gemeinschaft behütet sind, zugleich müssen wir aber rausgehen, um das ganze Spektrum dieser Welt mitzubekommen.“

Quelle: Anke Rehling/Bistum Münster