Bruder Kamilus über seinen Weg in die Ordensgemeinschaft und sein Leben als Alexianerbruder.

„Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, das ist für mich Erfüllung.“

Berufung, was ist das für Sie: Eine plötzliche Eingebung oder ein Gefühl, das sich langsam entwickelt?

Bei mir hat sich das langsam entwickelt, ich hatte anfangs Entscheidungsschwierigkeiten. Der Pfarrer meiner Heimatgemeinde, der mich gut kannte, riet mir, einige Jahre zu warten. Vielleicht hatte er Sorge, dass ich als echter Karnevalist vorschnelle Entscheidungen treffe. Ein Besuch bei den Alexianern in Aachen hat mir gezeigt, dass ich bleiben wollte. Die Arbeit in einem aktiven Orden ist genau das Richtige für mich.

Das klösterliche Leben ist vielen Menschen suspekt. Sind die Gelübde der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit noch zeitgemäß?

Das Gelübde macht frei. Im Evangelium heißt es: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ Die Menschen „draußen“ müssen oft gehorsamer sein als wir. Denken Sie mal an die ganzen Verpflichtungen, z. B. in einer Partnerschaft oder an der Arbeitsstelle.

Die Zahl der Ordenseintritte ist in den letzten zehn Jahren stark zurückgegangen. Fühlen sich heute weniger Menschen berufen als früher?

Einerseits gibt es natürlich einen starken Geburtenrückgang. Andererseits hören die Menschen heute weniger auf das Wort Gottes.

Der Wunsch nach Spiritualität und Selbstverwirklichung nimmt heute zu. Das Angebot ist groß: Exerzitien für gestresste Manager, Power-Yoga ... Findet „Berufung“ auf anderen Ebenen statt?

Das Wort Selbstverwirklichung kann ich nicht leiden. Im Ordensleben geht es darum, sich selbst zurückzunehmen. Ein Beispiel: Ich sitze gerade am Schreibtisch, und dann bekomme ich einen Anruf, dass ich auf der Station gebraucht werde. Die Büroarbeit kann dann liegen bleiben, der Kontakt mit den Menschen ist wichtiger. Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, das ist für mich Erfüllung.